Zwangsprostitution - die dunkle Seite des GeschÀfts mit der Lust

In Deutschland ist die Prostitution mittlerweile völlig legal, doch das "horizontale Gewerbe" hat weiterhin seine Schattenseiten und Grauzonen. Es gibt immer noch Zwangsprostitution, teilweise sogar in einem grĂ¶ĂŸeren Ausmaß als vor der Legalisierung. Wie es dazu kommen konnte und was man selbst als Freier beachten muss, erfĂ€hrt man in diesem Ratgeber.

Der Ist-Zustand

Bereits seit ĂŒber 10 Jahren gibt das Prostitutionsgesetz (kurz ProstG) die Rahmenbedingungen fĂŒr legale Prostitution vor. Es wurde geschaffen, um die LebensrealitĂ€ten der Prostituierten anzuerkennen und ihnen aus der IllegalitĂ€t zu verhelfen, welche oftmals PrĂŒgel und Zwang bedeutete. GrundsĂ€tzlich wurde das Gesetz vor allem von Sexualforschern und Juristen als Schritt in die richtige Richtung bewertet und fĂŒr den Staat war es interessant, dadurch zusĂ€tzliche Steuereinnahmen zu generieren. Trotzdem gibt es in Deutschland weiterhin Zwangsprostitution und große LĂŒcken in der Überwachung und Durchsetzung der Regeln. Schon Ă€ußerst

zurĂŒckhaltende SchĂ€tzungen gehen davon aus, dass dem Fiskus dadurch Steuereinnahmen im zweistelligen Milliardenbereich vorenthalten werden. Hinzu kommen die persönlichen Tragödien, welche durch Menschenhandel und Zwangsprostitution ausgelöst werden. Aus diesem Grund kommt jedermann - egal ob Freier oder Dienstleister im Sexgewerbe - eine besondere Verantwortung zu.

Die Ursachen

Nahezu niemand zahlt begeistert Steuern. Was bei einem mittelstĂ€ndischen Werkzeughersteller durch BuchfĂŒhrung und Lohnabrechnungen einwandfrei nachweisbar ist, ist im Rotlichtgewerbe leider keine RealitĂ€t. Entlohnungen erfolgen oft in bar, GeschĂ€ftsbĂŒcher werden gar nicht oder nur sehr lĂŒckenhaft gefĂŒhrt. Dem Staat mangelt es an Möglichkeiten, die teils strengen Gesetze und Vorgaben wirklich umzusetzen. Hauptgrund dafĂŒr ist ein Mangel an BetriebsprĂŒfern beim Finanzamt und ein chronisch ĂŒberlasteter Zoll. ÜberprĂŒfungen mĂŒssen von langer Hand geplant werden und erfordern viel Zeit sowie einen hohen Personalaufwand. Oft erwischt man dann auch nur die "kleinen Fische", wĂ€hrend sich die "großen Haie" im Hintergrund halten, abkassieren und ihre HĂ€nde in Unschuld waschen. Vor allem das Belangen der HintermĂ€nner ist mit der derzeitigen PersonalstĂ€rke kaum zu leisten, was immer wieder Kritik von der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft hervorruft. Es mangelt also nicht zwingend am politischen Willen, derartige FĂ€lle aufzudecken, sondern an den finanziellen und organisatorischen Mitteln. Es wird hĂ€ufig mit einem "Kampf gegen WindmĂŒhlen" verglichen: WĂ€hrend ein illegales Etablissement geschlossen wird, öffnen zeitgleich drei neue.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2007 stellte die damalige "Große Koalition" öffentlich selbst fest, dass die Ziele des Prostitutionsgesetzes nicht erreicht wurden. Offizielle Quellen gehen von knapp 10.000 FĂ€llen des Menschenhandels im Rotlichtgewerbe in der gesamten EU pro Jahr aus. Nichtregierungsorganisationen und Experten gehen hingegen von einer mindestens doppelt so hohen Dunkelziffer aus. Man muss dabei bedenken, dass sich diese Fallzahlen ĂŒber die Jahre aufsummieren und es eine hohe fĂŒnfstellige Zahl an Zwangsprostituierten europaweit geben könnte. Bei knapp 507 Millionen Einwohnern in der EU wirkt diese Zahl zwar relativ gering, jedoch steckt hinter jedem Fall eine menschliche Tragödie. Besonders vom Menschenhandel betroffen sind Frauen aus den Ă€rmsten Regionen der Welt: SĂŒdostasien, Afrika, SĂŒdamerika - aber auch die Peripherie der EU ist betroffen, vor allem Osteuropa und der Balkan. Mit Versprechungen von einem besseren Leben in Wohlstand werden die Frauen nach Europa gelockt oder teilweise auch ganz einfach verschleppt. Man nimmt ihnen alle Dokumente ab und hĂ€lt sie zum Teil wie Sklaven. Die hohe Dunkelziffer lĂ€sst sich dadurch erklĂ€ren, dass die Frauen nicht wissen, an wen sie sich wenden können, sich technisch betrachtet illegal im Land aufhalten und streng von ihren Aufsehern kontrolliert werden.

Verantwortung des Freiers

Die Frauen, welche im Rotlichtmilieu arbeiten (mĂŒssen), sind auch die Töchter und Schwestern von jemandem. Als Freier trĂ€gt man daher auch eine gewisse Verantwortung fĂŒr deren Situation und dafĂŒr, dass sich Menschenhandel und Zwangsprostitution lohnt. Wenn man Zeuge offensichtlicher MissstĂ€nde wird, hat man die moralische Verpflichtung, diese anzuzeigen. Es ist davon abhĂ€ngig, welchen subjektiven Eindruck man von einem Bordell oder einer Örtlichkeit bekommt. Manche erkennen womöglich die Hinweise auf Zwangsprostitution nicht, andere ignorieren sie geflissentlich. Sollte man trotz besseren Wissens die Dienste einer Zwangsprostituierten oder MinderjĂ€hrigen wahrnehmen, macht man sich strafbar (Förderung illegaler Prostitution, eventuell sogar Beihilfe). Wenn man klare Hinweise auf Zwangsprostitution oder Menschenhandel erkennt, dann muss man eine Anzeige erstatten, oder man macht sich nach § 138 StGB (kurz: "Nichtanzeige") strafbar, da eine Anzeige die FortfĂŒhrung einer Straftat gegen Leib, Leben und Freiheit unterbinde könnte. Wenn man sich nicht als Zeuge zur VerfĂŒgung stellen will, zum Beispiel weil man Racheaktionen des Milieus befĂŒrchtet oder Frau und Kinder zu Hause hat, dann kann man auch anonyme Hinweise absetzen. Bereits ein maschinell geschriebener Brief an die Polizei (ohne Absender) reicht aus, um weitgehende AnonymitĂ€t zu wahren. Man ist dann kein Denunziant, sondern hat sich nur nach Recht und Gesetz verhalten und (hoffentlich) das eigene Gewissen beruhigt.

Die Zukunft

Die EU und auch Deutschland selbst wollen in den nĂ€chsten Jahren verstĂ€rkt Maßnahmen gegen den Menschenhandel und die Zwangsprostitution ergreifen. Dazu gehört eine personelle Aufstockung und ein erhöhter Verfolgungsdruck im Milieu. Ob diese tatsĂ€chlich erfolgen wird, kann nur die Zeit zeigen. Als Freier muss man sich daher die Frage gestatten lassen, ob man selbst immer die richtigen Entscheidungen bei der Wahl der Liebesdienerinnen trifft. Das eigene Verhalten selbstkritisch zu hinterfragen, wĂŒrde schon eine Menge in der Praxis nachhaltig verĂ€ndern. Mit jedem Gang zu einem illegalen Etablissement finanziert man direkt die organisierte KriminalitĂ€t mit, was die Lage weiter verschlimmert. Es ist daher eine Frage des Gewissens und ob man tatsĂ€chlich einen Funken Ehre im Leib hat.

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